21.01.2026 11:36 a.m.

Mehr als ein Siegel: Warum jedes Unternehmen Impact erzeugen kann

B Corp Logo vor Bäumen, die man von unten sieht Ende 2025 haben wir bei neosfer unsere B Corp Rezertifizierung erhalten. Die Auszeichnung war für uns ein echter Meilenstein. Sie hat uns aber auch in einer These bestätigt: Denn aus unserer Sicht ist Impact nicht nur eine Produktfrage. Man muss kein „Green Business“ sein und auch nicht in jedem Bereich perfekt nachhaltig handeln, um Verantwortung konsequent zu übernehmen.

Im öffentlichen Diskurs geht diese Perspektive schnell unter. Umso wertvoller ist aus unserer Sicht ein (Re-)Zertifizierungsprozess als Rahmen und Gradmesser: Wo übernehmen wir bereits Verantwortung – für Menschen, für Zusammenarbeit, für die Art, wie wir wirtschaften? Wo verlassen wir uns zu sehr auf gutes Bauchgefühl, statt Dinge wirklich zu verankern? Und wo liegt unser nächster, realistischer Schritt nach vorn?

Diese Fragen sind unbequem, aber produktiv. Denn wenn die Transformation hin zu einer inklusiven, fairen und regenerativen Wirtschaft gelingen soll, braucht es Unternehmen jeder Größe, die dranbleiben, nachschärfen und sich messen lassen.

Impact ist für jedes Unternehmen möglich

Wenn über Impact gesprochen wird, entsteht manchmal eine stille Einteilung: Hier die Unternehmen mit „nachhaltigem Produkt“. Dort der Rest, der bestenfalls kompensiert – aber angeblich keinen „richtigen“ Impact haben kann.

Wir halten diese Einteilung für zu kurz gedacht.

Mit Impact meinen wir nicht Perfektion, sondern verbindliche Verantwortung, die sich im Arbeitsalltag zeigt: in Entscheidungen, Routinen und der Art, wie wir miteinander und mit Partnern umgehen. Also darin, wie wir arbeiten – nicht nur was wir anbieten.

Denn auch für neosfer gilt: Wir sind kein riesiger Konzern und auch kein klassischer „Green Business“-Player. Wir bewegen uns in einem komplexen Umfeld rund um Innovation und Finanzthemen – ein Bereich, der selten einfache Antworten liefert. Gerade deshalb ist uns wichtig: Auch kleine Teams können Standards setzen, Gespräche prägen und Erwartungen verschieben – wenn Verantwortung nicht „on top“ läuft, sondern als roter Faden mitgedacht wird.

Die Anforderungen aus der (Re-)Zertifizierung helfen uns dabei wie ein Fahrplan: Was ist schon gut verankert? Wo sind wir noch zu informell? Wo verlassen wir uns zu sehr auf „das machen wir schon“ – statt Verantwortlichkeiten, Transparenz und Lernschleifen so aufzusetzen, dass sie unabhängig von einzelnen Personen funktionieren?

Rezertifizierungsprozess: der ehrliche Blick in den Spiegel

Eine Rezertifizierung klingt in einem Satz schnell nach Routine, nach einem „haben wir wieder gemacht“. In der Realität fühlt es sich eher an wie ein ehrlicher Blick in den Spiegel – mit dem Unterschied, dass man danach nicht einfach weitergehen kann, als hätte man nichts gesehen. Hinzu kommt: So ein Prozess lässt wenig Raum für Bauchgefühl. Er zwingt dazu, genauer hinzusehen – und sich nicht mit guten Absichten zufriedenzugeben.

Was wir schon bei der ersten Zertifizierung (2023) gelernt haben: Man kann vieles im Team leben, ohne es sauber festzuhalten. Kultur trägt viel – aber Kultur allein ist manchmal auch flüchtig. Sie hängt an Menschen, an Kontext, an Tempo. Und sie verändert sich: wenn Rollen sich verschieben, wenn Kolleg:innen dazukommen oder gehen, wenn Entscheidungen schneller getroffen werden müssen.

In der Rezertifizierung haben wir deshalb erneut intensiv daran gearbeitet, Themen klarer zu verankern: weniger zwischen den Zeilen, mehr so, dass es im Alltag nachvollziehbar bleibt. Kurz gesagt: Wir haben unsere Governance weiter ergänzt, damit Standards nicht nur „gefühlt“ gelten, sondern strukturell.

Und ja: Natürlich stellt man sich in so einem Prozess auch die Frage, die viele Unternehmen kennen, die kein „klassisch nachhaltiges“ Angebot verkaufen: Reicht das, was wir tun – gemessen an einem anspruchsvollen Rahmen? Genau diese Unsicherheit ist aber auch ein Grund, warum wir Standards wie B Corp wertvoll finden. Sie sind kein Wohlfühltest. Sie sind ein Instrument, das einen zwingt, genauer zu werden: hinzusehen, zu lernen, nachzuschärfen.

Am Ende ist der wichtigste Teil für uns nicht, dass ein Prozess „bestanden“ ist. Sondern dass er Wirkung nach innen entfaltet: als Anlass, Prioritäten zu klären, blinde Flecken zu entdecken und Weiterentwicklung ernsthaft zu prüfen.

Hebelwirkung: Wie ein kleines Team Großes bewegt

Wenn man sich fragt, wie ein vergleichsweise kleines Team Impact haben kann, landet man schnell bei der Frage nach dem Hebel.

Unser Hebel ist nicht, dass wir ein Produkt verkaufen, das automatisch Emissionen senkt oder Ressourcen spart. Unser Hebel ist eher: Einfluss durch Zusammenarbeit. Durch Gespräche. Durch Netzwerke. Durch die Themen, die wir auf Bühnen holen – und die, die wir bewusst nicht als „Nice-to-have“ behandeln.

Was heißt es zum Beispiel, in einem Finanz- und Innovationskontext über Transformation zu sprechen – nicht als Trendwort, sondern als Aufgabe? Welche Rolle spielt Kapital? Welche Rolle spielen Entscheidungslogiken, Transparenz und Verantwortung entlang von Stakeholdern?

Auch wenn das Streben nach Impact in der öffentlichen Debatte nicht immer gleich präsent ist: In Gesprächen erleben wir weiterhin, dass die Aufgabe nicht weg ist. Sie ist komplexer geworden – und sie braucht mehr Akteur:innen, die nicht warten, bis alles perfekt ist.

Und genau hier passt für uns auch der Gedanke hinter der B Corp Community: nicht als exklusiver Kreis, sondern als Katalysator für systemischen Wandel. Standards, Austausch und Vergleichbarkeit helfen dabei, dass aus Einzelinitiativen mehr wird als gute Absicht.

Blick nach vorne: Der Weg hört hier nicht auf

Eine Rezertifizierung ist ein Zwischenstopp. Wenn man sie als Ziel behandelt, verliert sie an Wirkkraft. Als Zwischenstand bleibt sie das, was sie sein kann: eine Einladung, weiterzumachen – konkreter, mutiger, verbindlicher.

Für neosfer heißt das: Wir wollen Nachhaltigkeit und Impact nicht als separates Projekt führen, das „auch noch“ läuft. Sondern als Querschnitt, der in unseren Kernbereichen mitgedacht wird:

  • In unserer Arbeit als Innovationseinheit wollen wir schon in frühen Phasen die richtigen Fragen stellen – nicht erst, wenn etwas fertig ist.
  • Als Frühphaseninvestor soll Impact als ernstzunehmende Perspektive in Bewertung und Dialog mit Startups einfließen.
  • In unseren Events und Formaten wollen wir neben Technologie- und Finanzthemen Impact als Kernthema setzen – nicht belehrend, sondern praxisnah: Was funktioniert? Wo hakt es? Was lernen wir gerade?

Und vielleicht ist das der wichtigste Punkt: Impact entsteht nicht dadurch, dass man nie widersprüchlich ist. Sondern dadurch, dass man Widersprüche nicht verdrängt, sondern bearbeitet. Dass man bereit ist, sich messen zu lassen. Und dass man in einer Welt voller Perfektionsdruck sagt: Wir starten nicht erst, wenn alles ideal ist.

Wir sind davon überzeugt, dass Impact für jedes Unternehmen möglich ist. Nicht, weil jedes Unternehmen sofort alles richtig macht. Sondern weil jedes Unternehmen Entscheidungen trifft – jeden Tag. Und weil man diese Entscheidungen so gestalten kann, dass Verantwortung nicht Zufall bleibt, sondern langfristig zur Methode wird.

Wenn ihr euch fragt, was B Corp in der Praxis bedeutet, wie sich so ein Prozess anfühlt oder wo man überhaupt anfängt: Schaut auf unserer B Corp-Website vorbei – und meldet euch gern, wenn ihr euch austauschen wollt.