06.02.2026 12:35 p.m.

Cybersecurity in Zeiten von KI, Deepfakes & hybriden Bedrohungen

KI beschleunigt Angriffe, Deepfakes sind in der Praxis angekommen – und Betrug wird zunehmend professionell und industrialisiert. Gleichzeitig nehmen hybride Einfluss- und Desinformationsaktivitäten in Europa an Relevanz zu. Vor einem vollen Haus haben wir beim Between the Towers am 03. Februar 2026 drei Perspektiven zusammengebracht: operative Lessons learned aus realen Angriffen, Deepfake-Praxis für die Finanzbranche und ein Blick auf die neue Betrugs- und Bedrohungsrealität.

Es drehte sich alles um die Frage, wie sich Angriffe gerade verändern: Identitätsdiebstahl und Social Engineering werden durch KI skalierbarer, Deepfakes treffen immer konkreter die Finanzbranche – und Betrug ist vielerorts längst industrialisiert, mit verheerenden Folgen. Gleichzeitig rücken Desinformation und hybride Aktivitäten stärker in den Fokus.

Erfahrungen auf dem Angriffspfad: aktuelle Lektionen aus realen Cyberangriffen in Zeiten von KI und Co // Donald Ortmann

Was uns heute angreift – und wie wir uns nachhaltig verteidigen: Donald Ortmann nahm uns mit in die Realität moderner Angriffe auf Organisationen und Ökosysteme. Sein roter Faden: Angriffe sind selten „nur technisch“. Häufig starten sie dort, wo Vertrauen entsteht – in Kommunikation, Kontext und vermeintlicher Authentizität. Genau deshalb bleiben „mittelalterliche“ Prinzipien wie klare Regeln, Disziplin und robuste Prozesse auch in hochdigitalen Umfeldern unverzichtbar.

Worum ging’s konkret?

  • Wie moderne Angriffe heute zusammenspielen: Social Engineering, KI-gestützte Methoden und technische Exploits
  • Warum Authentizität die Basis von Vertrauen ist – und weshalb Social Engineering genau dieses Vertrauen gezielt missbraucht
  • Welche typischen Schwachstellen Angreifer z. B. bei Remote-Identifikationsprozessen ausnutzen können

Deepfakes in der Finanzbranche: Fortschritt, Grenzen und Praxis // Philipp Dewald (Detesia)

Deepfakes sind längst kein Zukunftsszenario mehr. Philipp Dewald zeigte, wie rasant sich die Technologie entwickelt hat, wo sie heute bereits sehr überzeugend ist – und warum das für Finanzunternehmen besonders relevant ist. Im Fokus standen dabei sowohl technische Erkennungsansätze als auch die Frage, wo deren Grenzen liegen und welche Konsequenzen das für reale Prozesse hat.

Praxis-Highlights aus dem Talk:

  • Konkrete Angriffsflächen in Finance: von Remote-KYC / Video-Ident bis zu Identitätsbetrug in Videokonferenzen und Voice Cloning im Telefonbanking
  • Wie Deepfake-Erkennung in der Praxis funktioniert: automatisierte Analyse (KI & Forensik), Checks auf Wasserzeichen (z. B. C2PA, SynthID) und Metadatenanalyse
  • Praktische Verifikation im Alltag: Kommunikation über vertrauenswürdige Kanäle, bewusstes Gegenprüfen, „gemeinsames Wissen“ als Plausibilitätscheck

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Prinzen, Pixel und Polit-Hacker // Dr. Boris Hemkemeier (Commerzbank)

Dr. Boris Hemkemeier zeigte, warum klassische Scam-Muster (Stichwort „nigerianischer Prinz“) heute seltener werden – und was stattdessen dominiert: Cybercrime als professionell organisierte, skalierbare Industrie. Betrug läuft zunehmend arbeitsteilig, mit „Backoffice“-Strukturen wie Scam Factories, und setzt stark auf Plattformmodelle, z. B. im Bereich Cybertrading.

Ein prägnantes Detail: Selbst die „Opferbetreuung“ wird teilweise systematisch organisiert – etwa über WhatsApp-Gruppen, in denen Narrative und Vertrauen aufgebaut werden.

Im zweiten Teil („Polit-Hacker“) ging es um Desinformation und hybride Aktivitäten in Europa – und die Verbindung zu KI: u. a. über Informationslücken („data voids“) und die Möglichkeit, Modelle mit vergleichsweise wenigen „poisoned documents“ zu beeinflussen.